Wie ich Homöopathie praktiziere!

Nach einer Ausbildung in sogenannter "Klassischer Homöopathie" fühle ich mich heute der Methode  nach Massimo Mangialavori verbunden.

Worin unterscheidet sich diese Art Homöopathie von anderen [klassischen] Formen?

Die zugrundeliegende Idee besteht darin, nach einer ausführlichen Erst-Anamnese das passende homöopathische Mittel mit Hilfe einer Einteilung in "Familien" zu finden.

Sie unterscheidet sich damit deutlich von anderen klassichen, homöopathischen Methoden [Schulen] die davon ausgehen, dass man Patienten miasmatisch behandelt oder man Stoffgruppen fast schulmedizinisch zum Beispiel bei Depressionen einsetzt, wie dies mit Aurum [Gold] und seinen Verbindungen getan wird.

Um mit homöopathischen Mittelfamilien arbeiten zu können, muss man zuvor die homöopathischen Mittel nach "Ähnlichkeit" und "Verwandschaft" gruppiert haben.
Dazu werden möglichst viele homöopathische Mittel berücksichtigt, mit denen über Jahre hinweg [vielleicht rein zufällig!] eine Patientin oder ein Patient sich gesundheitlich stabilisieren konnte oder geheilt wurde.
Welche Symptome wurden geheilt?
Welche Prüfungsberichte gibt es von diesem homöopathischen Heilmittel?
Was für ein Charakter brachte diese Patientin, dieser Patient mit?
Wie veränderte sich nicht nur die Gesundheit sondern auch die psychische Befindlichkeit?

Das Wissen um den Einsatz des betreffenden Medikamentes bei traditionellen Heilern, chemische Informationen oder Kenntnisse um die Lebensgewohnheiten und Überlebensstrategien der Pflanzen und Tiere aus denen es gewonnen wurde fliessen in diese Systematik ebenfalls mit ein.

Die Einteilung ist eine elastische Konstruktion, an der jederzeit Korrekturen in Form von Umgruppierungen und Neueinteilungen vorgenommen werden können, ist also alles andere als starr und fix.

In anderen klassichen Formen der Homöopathie wird mit sehr viel weniger Medikamenten oder im Extremfall mit einem einzigen Medikament gearbeitet. Diese werden allerdings auch nach anderen Regeln und Erfahrungen für die Patienten gesucht und verschrieben.
Beispiel: 
Eine Patientin oder ein Patient erzählt neben der Schilderung aller Symptome, dass sie/er empfindlich [kränklich] sei, seit sie/er sich erinnern könne. 
Ganz wichtig sei ein Zuhause zu haben. Das gebe ihr/ihm Sicherheit. Sie/er sei nicht gern allein. Es tue gut jemand "stärkeren" in der Nähe zu haben.

Diese Aussagen könnten für mich ein Hinweis darauf sein, in der Familie der "Meeresmittel" nach dem passenden homöopathischen Mittel umzuschauen.

Warum?
Aus Erfahrung, d.h. von geheilten Patienten weiss man, dass die Mittel aus dem Meer [aber nicht nur diese!] oft erfolgreich bei den Menschen eingesetzt wurden, die einen sicheren Ort des Rückzugs benötigen [My home is my castle!] und vielleicht zu Krämpfen* neigen, sich nicht sehr selbständig fühlen und eher anlehnungsbedürftig sind usw.

*Die Krämpfe können an den verschiedensten Stellen im Körper auftreten.

Diese Art der Mittelsuche nimmt eine zentrale Randbemerkung Hahnemanns im Organon** auf, welche er über Pulsatilla als Heilmittel machte.


Hahnemann sagt dort sinngemäss: 
Alle Symptome einer Anamnese könnten sich wunderbar bei einem homöopathischen Arzneimittel wiederfinden lassen [das vermeintliche ähnliche Mittel], aber wenn der Typ von Mensch nicht zum Heilmittel passe, bzw. umgekehrt, dann bleibe die dauerhafte Wirkung meist aus.

Das bedeutet aber auch, dass man die Patientin/den Patienten mit seinen typischen Reaktionsarten wirklich verstanden haben muss.

Die Mittelfindung und Verschreibung unter Berücksichtigung dieser Einteilung in Familien gerät nach meiner Erfahrung meist sehr viel präziser als eine "nur" auf Symptomen beruhende Mittelsuche, die viel mehr an der Symptomenoberfläche bleibt und dem immer etwas zufälliges anhaften wird.

Ausserdem werden möglichst viele potentiell passende Mittel berücksichtigt, was eine individuellere Verschreibung ermöglicht.

Ich rede hier aber bewusst nicht vom Konstitutionsmittel. Die sogenannten Konstitutionsmittel sind oft nichts anderes als die am besten bekannten [geprüften] homöopathischen Mittel, von denen man so viele Symptome kennt, dass sie auf fast jeden Patienten passen oder "sich anpassen lassen". 
Dies ist sicher auch ein Grund für ein argwöhnisches Beobachten der Praxis der Homöopathie.

Doch das reflexartige Verschreiben sogenannter Konstitutionsmittel bzw. der Polychreste hat mit dem homöopathischen Anspruch auf eine individuelle Mittelsuche und einem Verständnis des Patienten und wie diese/dieser auf Stress oder Krankheit reagiert gar nichts zu tun.



**[Organon - heisst das wichtigste Buch Hahnemanns, welches sechs Auflagen erlebte und die Homöopathie erklärt.]
Hier können Sie sich die 6. und letzte Auflage gratis auf Ihren Computer herunterladen und studieren! 
Q-Potenzen

Bei mir kommen in der Regel so-genannte homöopathische Q-Potenzen [oder LM Potenzen] zum Einsatz.
Generell gesprochen nimmt man die Q-Potenz z.B. täglich, bis es zu einer Krise kommt. Es handelt sich um die sogenannte homöopathische Erstverschlimmerung.
Diese sollte sich beruhigen und in einen stabilieren Gesundheitszustand übergehen - sobald man die Einnahme ausgesetzt hat.
Im Idealfall zeigen sich während diese Phase alte Krankheitssymptome von zurückliegenden Krankheiten die man durchgemacht hat.
Die Einnahme wird ausgesetzt und erst im Falle einer erneuten Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach Rücksprache mit dem Homöopathen/Homöopathin wieder aufgenommen.